• Elena

Die Wollknäuel-Sammlung

Zufällige Erfindungen von Elena Ferrante


Zufällige Erfindungen ist wohl eines dieser Bücher, das man sich aufs Nachtischchen legen möchte, um jeden Abend vor dem Einschlafen als «Bett-Mümpfäli» ein paar Seiten zu lesen. So habe ich es auf jeden Fall gemacht.


Für die britische Zeitung The Guardian hat Elena Ferrante genau ein Jahr lang jede Woche eine Kolumne verfasst. Die 52 Texte sind nun mit wunderschönen Illustrationen von Andrea Ucini in einem Buch vereint.


Mit ihren Schlussfolgerungen stösst die Autorin zum Nachdenken an. Es ist, als wäre jede Kolumne ein neuer Wollknäuel, den sie mit ihren Worten auseinander nimmt. Am Ende liegt der Faden entwickelt vor einem.


Zeile für Zeile raste ich beinahe über die Seiten und musste mich bremsen, um nicht zu hastig fertig zu lesen. Ich musste mich im Innehalten üben, die Illustrationen genau ansehen, das Buch auch mal weglegen und über das Gelesene nachdenken. Obwohl der Wollknäuel entwickelt wird, ist es mit dem Lesen nicht getan. Die Worte wirken nach. Ich glaube, das Wertvollste ist, sie wirken zu lassen und zu sehen, welche Gedanken durch sie wachsen können. Ferrantes Buch hat mich entschleunigt. Nichts zu tun, ist etwas, das mir schwer fällt.


Wem es ebenso geht würde ich dieses Buch unbedingt empfehlen. Da die Kolumnen mit einem Datum versehen sind, könnte man sie jeweils an genau diesen Tagen lesen und hätte ein Jahr etwas davon. So viel Entschleunigung habe ich aber nicht ausgehalten…


Die 52 Texte sind jeweils gut zweieinhalb Seiten lang und drehen sich um einen Gedanken, den Ferrante ausgehen von einer Themenliste vom Guardian, verschriftlicht hat. Einmal ist es das Sterben in jungen Jahren, einmal der Klimawandel, einmal das Schreiben als Frau. Besonders letzteres hat mich berührt. Warum sind es immer noch vorwiegend Bücher männlicher Autoren, die wir im Schulunterricht lesen oder die auf den Leselisten der Hochschulen stehen? Und das, obwohl die Leserschaft zum grösseren Teil weiblich ist?


Diese und noch viel mehr Fragen gingen mir beim Lesen von Zufällige Erfindungen durch den Kopf. Wer das Buch liest, wird vielleicht auf andere Fragen stossen - aber ich bin mir sicher, man wird sich Fragen stellen.


Tschäse&Bussi

Elena