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  • Sasha Müller

Rare

«Glitsch» von Adam Schwarz (2023, Zytglogge Verlag), ein Beitrag im Rahmen des Schweizer Buchpreises


Wes Anderson dreht «Fight Club». Etwa so fühlte sich für mich «Glitsch» von Adam Schwarz an. Eine absurde, farbenfrohe Kulisse – in diesem Fall ein Kreuzfahrtschiff, das in einer nicht allzu fernen Zukunft von Europa über das Polarmeer nach Japan fährt. Ein Verlierer-Typ, Léon, der zu viel Zeit mit sich selbst verbringt. Erst recht, nachdem seine Freundin Kathrin spurlos verschwunden ist. Viele Halluzinationen, seltsame Verschwörungstheorien und der drohende Weltuntergang runden dieses seltsame Potpourri ab.



Schwarz schreibt über eine Zukunft, in der «Analogfisch» und «Seitansalami» selbstverständlich konsumiert werden, eine Zukunft, in der sich die Weltbevölkerung halbiert hat. Léon aber findet seinen Platz in dieser zukünftigen Gesellschaft nicht. Er wandelt von Deck zu Deck auf dem Kreuzfahrtschiff, stolpert ohne nennbaren Erfolge durch sein Leben.


Seine Freundin Kathrin hingegen ist eine Überfliegerin aus gutem Haus. Weshalb sie noch ein Paar sind, weiss Léon nicht so genau. Als Kathrin plötzlich verschwindet, macht er sich dennoch auf die Suche nach ihr und stösst dabei auf eine Verschwörungstheorie eines gewissen Salarius. Salarius sieht Sprache als das Problem der Menschheit und fordert dazu auf, ins Wasser zu gehen und zur Ursprungsform des Lebens zurückzukehren, zur Ursuppe. Die Anhänger*innen dieser Philosophie sollen sich auch auf eben jenem Kreuzfahrtschiff herumtreiben und schleichen sich nachts in Léons Träume. Die Suche nach Kathrin führt auch in ein Videospiel, das vor Programmierfehlern, sogenannten «Glitches», nur so strotzt: Unscharfe Figuren, die sich abgehackt bewegen und hinter den Vorhang der Programmierung sehen lassen.


Schwarz verwischt die Grenzen zwischen Traum, Videogame und Realität, versteckt die Glitches auch in seinem Roman. Teilweise etwas absurd, meist aber unterhaltsam, für mich allerdings oftmals ein wenig zu ausführlich. Zu viele ungekillte Darlings, die in diesem Roman umherwandeln und die Geschichte etwas überbevölkert zurücklassen.


So fiel es mir zuweilen schwer, aus all den Attrappen und Dekorationen ein Gesamtbild zu machen, mich den spannenden Fragen zu widmen, die in «Glitsch» aufgeworfen werden: Wer und was wird in unserer zukünftigen Gesellschaft noch Platz haben? Weshalb trennen sich Paare, respektive weshalb finden gewisse Personen zusammen? Welche Bedeutung tragen Sprache und Kultur in der Entwicklung unserer Gesellschaft und unseres Planeten?


Als «etwas roh» würde ich «Glitsch» bezeichnen. Ich persönlich mag meine Romane allerdings lieber etwas besser durchgekocht, zumindest «medium rare» oder «well done». Oder dann gerne in Filmform, wo dieses Ausmass an Kulissen meiner Meinung nach besser zur Geltung kommt.


Tschäse & Bussi

Sasha

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