• Elena

Am Ende kommt der Punkt.

Girl, Women, Other von Bernardine Evaristo


Dieses Buch ist mindestens genauso bunt wie sein Einband – literarisch Gesprochen. Es sind nämlich zwölf komplett unterschiedliche Geschichten schwarzer Frauen, die die Schriftstellerin Bernardine Evaristo in ihrem Roman zu einem Ganzen verwebt. Während man sich zu Beginn noch fragen mag: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Kapiteln? Wird nach und nach klar: Ja, den gibt es.


Für mich war das Lesen dieses Buches ein Eintauchen in eine fremde Welt. Weder bin ich schwarz, noch bin ich Britin. Eine Gemeinsamkeit zwischen mir und den Protagonistinnen ist, dass ich mich ebenfalls als Frau identifiziere - was zugegeben nicht wenig ist. Dennoch ist das Erleben dieser Frauen ein anderes, als das meine. Ich muss nie jemandem erklären, dass ich in demselben Land geboren und aufgewachsen bin. Mich fragt nie jemand, woher ich denn wirklich komme. Was mich ebenfalls mit den Frauen aus Evaristos Roman verbindet, ist ihre Suche, nach einem Platz auf dieser Welt.






Da ist beispielsweise Amma, die kurz vor der Aufführung ihres neuen Theaterstücks steht. Deren Tochter Jazz, die sich an der Uni zurechtfinden muss. Oder Ammas beste Freundin Dominique, die für ihre Beziehung zu einer Afro-Amerikanischen Frau nach Amerika zieht.

Nicht alle Geschichten sind gleich stark miteinander verbunden, sie kreisen aber alle um die Themen: Intersektionalität, Identitäten, Feminismus und Rassismus.


Anfangs war ich irritiert von den fehlenden Punkten. Die Autorin benutzt Satzzeichen nur spärlich, was den Text teilweise wie ein Gedicht wirken lässt. Bei mir hatte es ausserdem die Wirkung, dass ich das Buch fast nicht weglegen konnte, weil es irgendwie immer weiter zu gehen schien. Was das Buch für mich besonders spannend gemacht hat, waren die Zeitsprünge - die Geschichten sind teilweise über das ganze letzte Jahrhundert verstreut. Evaristo endet mit “together.”, was ihr Buch aus meiner Sicht wunderschön abrundet. Denn die Beziehungen zwischen all den Frauen: Müttern, Töchtern und Freundinnen, machen eines klar: Zusammen sind wir stärker.