• Sasha

Preiswert

«Die Erfindung des Ungehorsams» (2021) von Martina Clavadetscher.


Auszeichnungen sind so eine Sache: Ob Wein, Musik, Film oder eben Literatur – sie drücken einem Werk einen Stempel auf und heben es aus der Masse hervor. Für das ausgezeichnete Buch bringt der Stempel nur Gutes, denn ein preiswertes (ob man dieses Wort auch so verwenden darf…) Buch verspricht ein spannendes, qualitatives Leseerlebnis. Alle Werke ohne Stempel liegen dann aber trist auf den Ladentischen und wissen nicht, was sie falsch gemacht haben, dass sie ohne Auszeichnung dastehen. Als Käuferin entscheide ich mich dann nach langem Herumlungern in der Buchhandlung für das Buch mit Stempel. Respektiv in diesem Fall für Martina Clavadetschers «Die Erfindung des Ungehorsams» mit dem roten Aufkleber «Schweizer Buchpreis 2021».


Warum? Wegen dem auffälligen Kleber ist mir das Buch überhaupt erst in den Blick gesprungen. Dank der Auszeichnung habe ich der Geschichte eine Chance gegeben.





Der Roman erzählt die Geschichte dreier Frauen: Iris, Ling und Ada Lovelace. Iris langweilt sich in New York und kann die abendlichen Verabredungen mit ihrem Mann und ihren Freundinnen kaum erwarten. Ling arbeitet in einer Sexpuppenfabrik in China, sie liebt geregelte Abläufe und hat Mühe Gesichtsausdrücke von anderen zu lesen. Ada Lovelace darf sich nur ruhig bewegen und möchte lieber ihrem wachen Geist und ihrer Fantasie nachgehen als dem langweiligen Frauenleben, zu dem ihre Mutter sie zwingt.


Zahlreiche Verbindungen und Spiegelungen versteckt Clavadetscher in ihrem Roman, um uns sehr subtil auf verschiedenste Themen aufmerksam zu machen. Vom Erfinden und von Kontrolle, von Einsamkeit und Liebe schreibt Clavadetscher und führt uns leichtfüssig durch die Geschichte. Sie gibt uns starke Frauenbilder, knallt sie uns aber nicht ins Gesicht: So werden auch diejenigen, die langsam genug vom Feminismus haben nicht erschreckt. Mit einer Sprache, die zuweilen poetisch anmutet, aber auch sehr direkt ist, wird die Geschichte von Ada, Iris und Ling erzählt – keine Tabus werden gescheut. Alle direkten Gedanken und Aussagen der Figuren werden optisch vom Rest des Textes getrennt, ohne Anführungszeichen.


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